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| Interview: "Landwirte verschenken 30 Millionen Euro pro Jahr" |
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Sinkende Einnahmen und ein härterer Wettbewerb zwingen Landwirte auch auf der Kostenseite immer genauer hinzuschauen. Eine Position, die dabei in der Praxis häufiger vernachlässigt wird, ist der Ausgabenblock für die jährlichen Versicherungsprämien. Dort verschenken Landwirte mindestens 30 Millionen Euro pro Jahr. Dies ist zumindest die Ansicht von Markus Mohr, Geschäftsführer des Aachener Versicherungsmaklers DILEX.
Redaktion: Herr Mohr, wie kommen Sie zu der Einschätzung, dass Landwirte dort jedes Jahr zuviel Geld verschenken?
Markus Mohr: Nun, dies wird eindrucksvoll durch die offiziellen Zahlen der Versicherungswirtschaft unter Beweis gestellt. Machen wir es an einer Sparte konkret und greifen uns die Feuerversicherung für die Landwirtschaft heraus. Die Prämieneinnahmen beliefen sich dort im Jahr 2008 auf einen Betrag von 306 Millionen Euro. Die Schadenaufwendungen betrugen 174 Millionen Euro. Rund 132 Millionen verblieben also bei der Assekuranz. Dies entspricht einem Überschuss von 43%. Er dient den Versicherungsunternehmen zur Deckung von sonstigen Kosten und zum Aufstocken des eigenen Gewinns. Dies ist ein sehr hoher Anteil. Werfen wir zum Vergleich einen Blick auf die normale gewerbliche Feuerversicherung. Dort betrugen die Prämieneinnahmen 692 Millionen Euro und die Ausgaben für Schäden beliefen sich auf 458 Millionen Euro. Den Gesellschaften verblieb hier also nur noch ein Anteil von rund 34% für die Deckung der eigenen Kosten und zur Aufstockung des Gewinns. Die Landwirte bescherten den Versicherungskonzernen daher eine deutlich höhere Marge. Sie verschenken dadurch alleine bei der Feuerversicherung meiner Einschätzung nach gute 30 Millionen Euro pro Jahr.
R: Kann es sich dabei im Jahr 2008 nicht um eine Ausnahme gehandelt haben?
MM: Dem ist leider nicht so. Ich habe die Zahlen seit 2005 verglichen und es ist jedes Jahr ähnlich. Tatsache ist sogar, dass die Prämieneinnahmen für die landwirtschaftliche Feuerversicherung seit 2005 gestiegen sind, obwohl die Schadenzahlungen abnahmen. Bei der normalen gewerblichen Feuerversicherung sanken die Beitragszahlungen und die Schadenszahlungen. Während die Versicherungsgesellschaften also in anderen Bereichen Zugeständnisse machen müssen, nutzen sie bei den Landwirten die Gelegenheit, um sich kräftig zu bedienen.
R: Was sollte die Konsequenz daraus sein?
MM: Die Landwirte sollten mehr Druck auf die Versicherungsgesellschaften ausüben. Es ist nicht einzusehen, dass die wirtschaftliche Situation für Landwirte immer schwieriger wird und die Versicherungskonzerne sich dann auch noch auf dem Rücken der Schwächeren die Taschen voll machen.


